E-Learning Punk: Diversität in E-Learning Projekten
E-Learning Punk

Ein Plädoyer für diverse Lerninhalte

Warum Vielfalt auch in E-Learning Projekten nicht zu vernachlässigen ist

Das Thema „Diversity“ – auf Deutsch Vielfalt – wird in unserer Arbeitswelt immer mehr zum Hygienefaktor. Junge Leute suchen mittlerweile gezielt nach Arbeitgebern, bei denen sie sich persönlich entfalten können und sich nicht verstellen müssen. Aber nicht nur deswegen profitieren Unternehmen von einem strategischen Diversity Management. Im deutschsprachigen imc Podcast „E-Learning Inc.“ verkündete Mohanna Arzamandi, Chief Learning Officerin bei Microsoft Deutschland, erst kürzlich: „Diverse Teams lösen Probleme besser.“ Mohanna weiß, dass die Unternehmensbereiche Diversity Management und Corporate Learning eng zusammenhängen.

 

Dies fängt etwa bei der Schulung interkultureller Kompetenzen an, reicht über ein barrierefreies Lernangebot und geht schließlich hin zur Abbildung von Vielfalt in den Lerninhalten selbst. Über letzteres haben wir mit dem E-Learning Content Projektmanager Kenneth Littlepage gesprochen.

INTERVIEW

„Wenn man Vielfalt möchte, sollte man dies auch in seinen Lerninhalten widerspiegeln“

Foto Kenneth Littlepage

Kenneth Littlepage ist nicht nur Host des englischsprachigen imc Podcast „E-Learning Brunch“. Er arbeitet bereits seit 2014 als Projektmanager im Bereich E-Learning Content, wo er Kunden von der Konzeption von Lerninhalten bis hin zu deren Umsetzung und Implementierung begleitet. Mit ihm haben wir darüber gesprochen, welche Rolle Diversität in E-Learning Content Projekten spielt.

Hallo Kenny, was bedeutet Vielfalt für dich?

Kenny: Vielfalt hat mehrere Bedeutungen. Normalerweise denken die meisten, wenn sie den Begriff hören, zunächst an kulturelle Vielfalt. Es gibt jedoch noch einen weiteren Aspekt von Vielfalt: Workforce oder auch Job Diversity. Für mich persönlich bedeutet dies vor allem, nicht jeden Tag das gleiche zu machen, sondern auch Projekte jenseits vom „Daily Business“ realisieren zu können.

Du bist Projektmanager bei der imc und betreust Kunden wie die UN, UNICEF, Lufthansa und PwC – wie präsent ist das Thema Diversity bei den Kunden aus deiner Sicht?

Kenny: Es kommt immer auf das Unternehmen an. Aber zumindest die kulturelle Vielfalt spielt eine immer größere Rolle in den E-Learning Projekten, die wir mit den Unternehmen gemeinsam realisieren.

Gibt es einen Unterschied zwischen öffentlichen Institutionen, nationalen und internationalen Unternehmen?

Kenny: Ja, das glaube ich schon. Je globaler ein Unternehmen ist, desto eher ist es bereits für das Thema Diversity sensibilisiert. Da erhalten wir dann direkt entsprechende Vorgaben für die Projekte. Bei lokalen Unternehmen ist die Sensibilisierung nicht so hoch. Da müssen wir dann nachfragen: „Hey, willst du nicht auf XY achten?“

Wie kann man Vielfalt denn ganz konkret in Content-Projekten umsetzen?

Kenny: Das kommt ganz auf den Lerninhalt an. Wenn nur eine Situation mit zwei Personen dargestellt wird, kann man natürlich nicht alle Aspekte von Vielfalt berücksichtigen. In den meisten Web-based Trainings hat man jedoch die Möglichkeit, mit mehreren Charakteren zu arbeiten, sodass wir unterschiedliche Geschlechter und Nationalitäten darstellen können. Wir nutzen dann gerne Animationen – durch die gezeichneten Charaktere wird ein gewisser Abstand ermöglicht.

Wie wichtig ist es dabei, dass die Inhalte zur realen Welt passen? Zum Beispiel: Wenn 90% der Chefs weiße Männer sind, wirkt es dann nicht verlogen, eine multikulturelle Lernumgebung abzubilden?

Kenny: Hier stellt sich die Frage: Wie kommt es zu dem Zustand? Ist er gewollt oder zufällig? Ist das Unternehmen noch in der Entwicklung und möchte in eine diversere Richtung? Wenn man Vielfalt möchte, ist es aus meiner Sich nicht verlogen, seine Zielvision auch zu zeigen.

Welche Herausforderungen gibt es noch? Worauf achtet ihr besonders?

Kenny: In der Regel auf Geschlecht und Nationalität. Meist ist es so, dass unsere Kunden international aufgestellt sind und sicherstellen wollen, dass die Lerninhalte zu so vielen Mitarbeitenden wie möglich passen. Zu unseren Kunden gehören aber beispielsweise auch NGOs, bei denen Religion als Teil ihrer Kultur zudem eine große Rolle spielt. Dann versuchen wir etwa auch Charaktere mit einem Kopftuch in Anlehnung an Religion abzubilden.

Diverse Lerninhalte sollten auch von diversen Teams entwickelt werden – würdest du das so unterschreiben?

Kenny: Das fällt für mich in dieselbe Kategorie wie „Leute mit Kind können nicht von jemandem beraten werden, der kein Kind hat“. Wenn du kein Kind hast, hast du dann keine legitime Meinung dazu und kannst dich nicht dazu äußern? Meine Meinung ist, dass wenn man eine entsprechende Schulung hatte oder einfach auch dem Thema gegenüber aufgeschossen ist, ist das kein Problem. Es ist aber natürlich authentischer für die Lerner, wenn die Inhalte, die Vielfalt darstellen, auch von einem vielfältigen Team entwickelt wurden. Es ist schwieriger, Vielfalt zu repräsentieren oder darüber zu schreiben, wenn man sie nicht hat.

Wie wichtig ist Aufklärung? Brauchen wir mehr Lerninhalte zum Thema Vielfalt?

Kenny: Ja ich denke die brauchen wir. Und ich glaube es ist notwendig, dass insbesondere der Staat mehr involviert wird, da er richtungsweisend ist. Aber auch auf Unternehmensebene sollte aufgeklärt werden: Wie geht unsere Firma mit dem Thema Vielfalt um? Was bieten wir unseren Mitarbeitern an? Hier habe ich persönlich noch keine Lerninhalte gesehen, die das Thema explizit angehen.

 

 

Vielen Dank Kenny für das spannende Interview!

TIPPS & TRICKS
5

Tipps, was ihr bei der Content-Erstellung im Zuge der Vielfalt beachten solltet

Wie das Interview zeigt, gibt es verschiedene Ansatzpunkte, um Vielfalt im Zuge der Content-Erstellung zu berücksichtigen. Damit ihr dabei nicht den Boden unter den Füßen verliert, haben wir die bereits von Kenny angesprochenen Punkte sowie einige weitere Aspekte für euch in fünf Tipps zusammengefasst.

Tipp 1

Beobachte dein Umfeld

Meint: Was bedeutet Vielfalt für mein Unternehmen? Wofür stehen wir? Wenn beispielsweise die Förderung von Frauen in Führungspositionen ein strategisches Anliegen ist, sollte sich das auch in den Lerninhalten wiederspiegeln.

Tipp 2

Mehr ist manchmal mehr

Hat der Lerninhalt nur einen Protagonisten, ist es schwer, Vielfalt zu repräsentieren. Statisten und Avatare sind hier eine Möglichkeit, damit sich dennoch mehrere Zielgruppen – beispielsweise unterschiedliche Nationalitäten im Unternehmen – angesprochen fühlen.

Tipp 3

Zieh nicht von dir Rückschlüsse auf andere

Hier geht es um die Frage: Ist ein Lernprogramm so gestaltet, dass jeder Mitarbeiter es nutzen kann? Auch Mitarbeiter mit Seh- oder Hörbehinderung? Beispielsweise solltet ihr darauf achten, dass der Inhalt von Slides zusätzlich vorgetragen wird, da ihr nicht davon ausgehen könnt, dass jeder lesen kann, was auf der Folie steht.

Tipp 4

Aufklärung ist der Ausgang

Achtet nicht nur darauf, dass eure Lerninhalte Vielfalt wiederspiegeln, sondern denkt auch daran, euren Mitarbeitern mitzuteilen, was Vielfalt für das Unternehmen bedeutet und welche konkreten Maßnahmen damit verbunden sind. Warum das Ganze nicht mal in einem Lerninhalt zum Thema Diversity skizzieren?

Tipp 5

Schule die richtigen Themen

Wo wir nun bei den Lerninhalten selbst sind: Bietet euren Mitarbeitern Lerninhalte an, die eine offene Unternehmenskultur und ein offenes Miteinander fördern. So kann ein Training zum Thema „interkulturelle Kompetenzen“ etwa die Zusammenarbeit verschiedener Kulturen verbessern.

Im nächsten Punky Talk möchten wir das Thema Diversity in E-Learning Projekten gerne weiter vertiefen und mit einem Unternehmen sprechen, dass sich bereits viel mit Diversität auseinandersetzt und seine Erfahrungen mit euch teilt.

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E-Learning Punk ist eine Artikel- und Talkreihe für alle L&D Pros, die aus der grauen Masse langweiliger Web-based Trainings herausstechen wollen, und die ihre Lerner mit geilem Content begeistern wollen.

Ansprechpartner

Seit 2014 bin ich Teil des Marketing & Communication-Teams bei der imc. Mein Herz schlägt für kreative Kampagnen, spannenden Content und digitale Innovationen. Mein Ziel ist es, das Thema Digitalisierung erlebbar zu machen – verständlich und einfach auf den Punkt. Meine Leidenschaften neben dem Beruf sind gute Bücher und Sport.

 

Über Feedback zur Reihe freue ich mich jederzeit an vanessa.klein@im-c.com.

Photo of Vanessa Klein
Vanessa Klein
Senior Event and Communication Manager