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Diversität als Treiber für Kreativität und Innovation

3 Fragen an Dr. Nida Bajwa

20.05.2020

Am 21. Mai ist Welttag der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung. Ziel dieses 2001 durch die UN-Vollversammlung ins Leben gerufenen Tages ist es, das öffentliche Bewusstsein für kulturelle Vielfalt zu stärken. Auch die imc möchte diesen Tag nutzen, um die kulturelle, aber auch fachliche Vielfalt im Unternehmen zu würdigen und zu fördern.

 

Aktuell verraten Mitarbeiter des Unternehmens auf dessen Instagram Account mehr zu ihrer Kultur, ihrem fachlichen Arbeitsumfeld und ihren unterschiedlichen Interessen. Die Aktion endet am 26. Mai (dem offiziellen deutschen Diversity Tag) mit einem besonderen Aktionstag für die Mitarbeiter. Ein Highlight des Tages wird eine Keynote von Dr. Nida Bajwa zum Thema "Diversität und Kreativität" sein. Bei imc ist man fest von dem positiven Einfluss von Diversität auf Kreativität und Innovation überzeugt.

 

Wir haben ihm im Vorfeld drei Fragen zu dem Thema gestellt. Der promovierte Arbeitspsychologe berichtet in dem Interview, wie eine stille Stunde oder ein Spaziergang dabei helfen können, Kreativität zu fördern, was die Forschung bereits über die Zusammenhänge von Diversität und Kreativität herausgefunden hat und wie man es schafft, seine kreativen Ideen letztendlich auch umzusetzen.

Dr. Nida Bawja

Entrepreneurship & Innovation Psychology Researcher, Universität des Saarlandes

Viele kreativ Schaffende kennen und fürchten sie: Die Angst vorm leeren Blatt. Wie schaffe ich es, auf Knopfdruck kreativ zu sein?

Dr. Bawja: Natürlich ist Kreativität nichts, das man einfach an- oder ausschalten kann. Aber man kann sich Strukturen schaffen, die die eigene Kreativität fördern. Hierzu sind Routinen sehr gut geeignet, auch wenn dies auf den ersten Blick kontraintuitiv erscheinen mag. Ein Beispiel für eine Routine im Arbeitsleben kann beispielsweise die „Stille Stunde“ sein. Dies ist eine Stunde, die man sich zum Beispiel jeden Morgen im Büro nimmt. In dieser Zeit beantwortet man keine E-Mails checkt und lässt das Telefon ausgeschaltet. Dadurch hat man eine Stunde, in der man gänzlich ungestört seinen kreativen Gedanken und Arbeiten nachgehen kann. Wenn man in dieser Zeit trotz der Ungestörtheit weiterhin mit einer kreativen Blockade zu kämpfen hat, kann man verschiedene Techniken anwenden, um in Gang zu kommen. Zum Beispiel könnte man alle Gedanken aufschreiben, die einem in den Sinn kommen, ganz unabhängig davon, ob sie sinnvoll sind oder nicht.

 

An dieser Stelle sei vielleicht auch angemerkt, dass ein kreativer Gedanke oder eine kreative Idee nicht zwingend auch eine qualitativ gute Idee darstellt. Die Bewertung der Idee stellt einen späteren Schritt dar. Zunächst gilt es, überhaupt Ideen zu produzieren.

 

Überlegen Sie auch, ob es Umweltbedingungen gibt (etwa Musik, Entspannungsübungen, etc.), die Ihnen helfen, kreativ zu sein und sich in das richtige Mindset zu begeben. Ein letzter Tipp: auch Pausen sollten nicht vernachlässigt werden. Wenn Sie schon lange an einem Thema festhängen, kann es sinnvoll sein, einfach mal eine Pause einzulegen. Verlassen Sie Ihr Büro, laufen Sie eine kurze Runde durch die Firma oder gehen Sie in der Pause spazieren. Das gibt Ihnen die Möglichkeit, etwas Distanz zwischen sich selbst und Ihre Aufgabe zu bringen. Sie können auch mal versuchen, eine andere Perspektive einzunehmen. Auch dies kann helfen, neue Ideen zu entwickeln.

Diversity

Homogene Teams produzieren homogene Ergebnisse – Braucht es gezielte Diversity-Programme in Unternehmen, um Kreativität und Innovation zu fördern?

Dr. Bawja: Es gibt Studien, die Zusammenhänge zwischen Diversität und Kreativität zeigen. Kurzberg (2005) zeigte zum Beispiel, dass heterogene Teams tatsächlich mehr Ideen generieren konnten. Wie genau die Diversität aussehen muss, um auch wirklich zu mehr Kreativität zu führen, ist jedoch noch ungeklärt. Kommt es auf heterogene Backgrounds der Teammitglieder an? Oder eher auf unterschiedliche Herangehensweisen an Probleme? Letzterem wird aktuell mehr Bedeutung zugemessen. Mehr Heterogenität kann aber auch zu Konflikten und Frustration führen. Zu große Unterschiede in den Teams können also auch zu weniger Zufriedenheit der Mitglieder führen und in weniger produktiven Ergebnissen resultieren. Entsprechend ist es wichtig, eine gute und offene Arbeitsatmosphäre zwischen den Teammitgliedern zu fördern.

Vom Inspirationsschub zum Doing: Wie schaffe ich es, meine kreativen Ideen in die Praxis umzusetzen?

Dr. Bawja: Proaktiv und mittelorientiert handeln. Viele kennen sicherlich auch die Stimme des Perfektionisten in sich. Perfektionismus kann sicherlich dazu beitragen, dass wir uns viel Mühe geben, eine Aufgabe gut zu lösen. Sie perfekt zu lösen, ist aber oft einfach nicht möglich. In diesen Fällen behindert uns der Perfektionismus darin, eine Aufgabe anzufangen, fortzuführen oder abzuschließen.
Eine große und komplexe Idee lässt sich aber nicht auf Knopfdruck umsetzen, man muss vielmehr in (verhandelbaren) Teilzielen denken. Versuchen Sie also, sich für solche perfektionistischen Eingebungen zu sensibilisieren, um die Motivation aufrecht zu erhalten. Aber man sollte sich auch darauf einstellen, dass es auch mal zu Rückschlägen kommen kann.

 

Ein häufig auftretender Fehler ist, dass Menschen die Zeit, die sie zum Umsetzen einer Aufgabe benötigen, unterschätzen. So kann es passieren, dass man den geplanten Umsetzungstermin für ein Ziel nicht erreicht, weil man einfach zu wenig Zeit dafür eingeplant hat. Dass solche Fehler auftreten, ist quasi garantiert, daher ist es wichtig, richtig mit diesen Fehlern umzugehen. Versuchen Sie aus Ihren Fehlern zu lernen und im genannten Beispiel nächstes Mal mehr Zeit für ihre Aufgaben einzuplanen. Dies erspart Ihnen auf lange Sicht die Frustration immer wiederkehrender Fehler.

Vielen Dank für das Interview!

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Vanessa Klein
Senior Event and Communication Manager