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Die neue Cleverness der Learning Management Systeme

10. Dezember 2018

Virtual Reality, Chatbots, Performance Support – an Buzzwords fehlt es im Diskurs rund um das Thema digitale Bildung nicht. Doch welche Trends haben wirklich Zukunft und werden sich in den nächsten Jahren an den Arbeitsplätzen der Lerner etablieren. Christian Wachter ist Vorstand des Weiterbildungsdienstleisters IMC und wagt eine Prognose für 2019.

 

Hallo Christian, danke, dass Du für uns einen Blick in die Zukunft wirfst. Welche Trends im Bereich digitale Bildung werden 2019 aus Deiner Sicht am meisten von sich reden machen?

Christian Wachter: Die Künstliche Intelligenz wird auch im Bereich des Lernens vorpreschen und die Art, wie wir uns neues Wissen aneignen, nachhaltig verändern. Die dahinter liegenden Mechanismen gestatten es uns bereits heute, Learning Management Systeme zu Learning Experience Systemen werden zu lassen, die Kompetenzerwerb “erlebbar” machen. Ihre Intelligenz stellen diese Plattformen unter Beweis, indem sie aus der Lernhistorie und der Kompetenzentwicklung des Einzelnen Präferenzen ableiten. Diese dienen dazu, gezielte Empfehlungen zu Kursen und Inhalten zu liefern, die einen Lerner ganz besonders interessieren. Außerdem werden wir es zusehends mit interaktiven, dialogfähigen Systemen zu tun haben, die in der Lage sind, häufig gestellte Fragen zu beantworten. Das ist nicht nur ein Quantensprung im Hinblick auf verfügbare Technologie, sondern auch in Sachen Lernmotivation. Denn was könnte mir als Lerner einen stärkeren Anreiz bieten als eine Lernplattform, mit der man per Chat interagieren kann und die meine Anregungen zum weiteren Lernplan aufnimmt? Künstliche Intelligenz in Verbindung mit adaptivem und maschinellen Lernen sind die Themen, mit denen wir uns 2019 am stärksten beschäftigen werden. Langzeittrends wie Gamification laufen parallel dazu als “Evergreen” weiter und werden nicht an Bedeutung verlieren.

 

Learning Management Systeme werden also künftig mit ganz neuen Funktionen angereichert werden, um das Lernen erlebbarer, interaktiver und individueller zu gestalten.

CW: Ganz genau. Das ist aber nicht die einzige maßgebliche Neuerung, die es im Bereich LMS geben wird. Wir können darüber hinaus eine Entwicklung absehen, in der sich die Systeme immer mehr gegenüber externen Inhaltsquellen öffnen werden und müssen. In Kanälen wie YouTube oder anderen frei zugänglichen Quellen liegen einfach zu viele Contents, die für Lerner höchst relevant sind. In technischer Hinsicht liegt hier die Herausforderung darin, die Schnittstellen zu externen Bildungsquellen richtig zu gestalten. Aus didaktischer Sicht geht es vielmehr darum, den Zugriff auf verschiedene Lerninhalte je nach Rolle im Unternehmen sach- und zielgruppengerecht zu managen. Der gezielte Aufbau einer Datenbank, in der hinterlegt ist, welche Zielgruppen welche Inhalte als besonders gut gestaltet oder interessant bewertet trägt dazu bei, das Empfehlungswesen zusehends zu automatisieren und besser handhabbar zu machen.

 

Wie richtet IMC ihr Weiterbildungsangebot an erkannten Trends aus und wann ist ein Trend so wichtig, dass man damit als Anbieter digitaler Bildung mit neuen Produkten oder Produkterweiterungen reagieren sollte?

CW: Bei der Beobachtung neu aufkommender Hypes stellen wir uns immer wieder kritisch die Frage, ob und ab wann sich ein solcher Hype zum Trend entwickelt, sprich einen gewissen Nachhaltigkeitscharakter zeigt. Sehen wir diese Nachhaltigkeit, fragen wir uns als nächstes, ob sich der Trend als sinnvolle Erweiterung in das bestehende Produktportfolio integrieren lässt. Im Einsatzbereich von VR als digitaler Bildungstechnologie, die immer erschwinglicher wird, besteht beispielsweise ein echter Bedarf an Autorenlösungen, die Contenterstellern die Gestaltung virtueller Räume deutlich erleichtern. Ein solcher virtueller Raum kann beispielsweise ein ganz gewöhnlicher Büroraum sein, der per 360 Grad-Photo in die digitale Welt übertragen wird. Die Aufgabe eines VR-Autors kann im Rahmen eines Compliance-Trainings darin bestehen, den Raum mit virtuellen Fixpunkten anzureichern, an denen der Lerner im Training die Missachtung geltender Vorschriften im Bereich Datensicherheit wie offene Schranktüren, nicht gesperrte PCs oder Ähnliches identifizieren soll. Ein Toolkit für VR-Autoren, mithilfe dessen es schnell und einfach möglich ist, solche Räume entstehen zu lassen, sehen wir künftig definitiv als Teil unserer Produktpalette. Die Kompetenz, auf die wir am stärksten angewiesen sind, um das richtige Produktangebot zu schaffen, ist das Durchdringen der Prozesse unserer Kunden. Außerdem müssen wir als Produktentwickler hervorragende digitale Kompetenzen besitzen, uns aber dennoch Lerner hineinversetzen können, die diese Kompetenz nicht haben und Wege finden, solche Fertigkeiten bei diesen Personen sukzessive aufzubauen.

 

IMC gibt es nun bereits seit über 20 Jahren und das Unternehmen betreut namhafte Kunden auf der ganzen Welt. Haben sich die Weiterbildungsexperten bei IMC in all diesen Jahren schon einmal im Hinblick auf das Potenzial eines Trends verschätzt und wie wurde damit umgegangen?

CW: Ja, ganz gewiss haben wir in der Vergangenheit mit unseren Einschätzungen auch schon mal knapp daneben gelegen. Ich denke, das können wir an dieser Stelle ohne Scheu eingestehen. Nach einer so langen Zeit am Markt ist das auch ganz natürlich. Allerdings würde ich sagen, dass wir bei machen Ansätzen einfach zu früh dran waren. So hat IMC beispielsweise Ende der 90er Jahre in der damaligen IMC Academy in einer MOOC-Reihe Grundlagen zum Thema Wirtschaftsinformatik vermittelt, die tatsächlich bei vielen Nutzern auf großen Anklang stießen. Leider haben wir das Thema MOOC daraufhin nicht mit der Konsequenz weiterverfolgt, die es mit Sicherheit verdient hätte. Damals haben wir die Priorität vielmehr darauf gesetzt, die Position der IMC als LMS- und Bildungsanbieter zu stärken, denn so wollten wir damals auch wahrgenommen werden. Diese Fokussierung auf das Thema LMS war auch rückblickend die richtige. Auch wenn wir manchmal wichtige und interessante Trends nach wie vor zugunsten unserer Kernthemen hinten anstellen müssen, ist uns das Experimentieren mit neuen Trends und Themen und das Spielen mit Produktideen ausgesprochen wichtig. Und obwohl wir uns beim Ausprobieren manchmal ein anderes Ergebnis erhoffen, können wir sehr oft einzelne Mini-Services, die im Zuge des Experiments entstehen, an anderer Stelle verwenden. Ich wünsche mir, dass die IMC sich diese Experimentierfreude noch sehr lange erhalten wird, denn am Ende eines solchen Prozesses stehen oft die Produkte, die unsere Kunden begeistern.

 

 

 

 

 


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