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    „Innovation beginnt und endet mit dem Kunden“

    Dr. Wolfram Jost, Vorstand für Produktentwicklung bei IMC AG


Erfolgsfaktor Innovationskultur: Wie neue Denkweisen zum Gelingen digitaler Transformation beitragen

Im Zeitalter der Digitalisierung ist Innovationsfähigkeit einer der wichtigsten Faktoren für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Die digitale Transformation wird dabei allerdings nicht nur von Technologie getragen. Die beste Innovationsstrategie hilft wenig, wenn innerhalb eines Unternehmens keine adäquate Innovationskultur vorhanden ist, mit der diese umgesetzt werden kann. Dabei reicht es allerdings nicht aus, Grundsätze neuer Kulturen nur aufs Strategiepapier zu bringen. Dazu zählt insbesondere auch, die Mitarbeiter umfassend für den Umgang mit digitalen Innovationen auszubilden und eine Innovationskultur innerhalb der Organisation zu fördern.

McKinsey publizierte diesbezüglich im Beitrag „Culture for a digital age“ u.a. eine interessante Kernaussage: Kulturelle Hindernisse korrelieren deutlich mit der negativen Wirtschaftsleistung. Dabei schlug im Artikel das Fehlen einer Innovationskultur am stärksten zu Buche, gefolgt von den Faktoren geringe Risikobereitschaft und Silostrukturen.

Auch die IMC steht immer wieder, und insbesondere gerade mit Veröffentlichungen des aktuellen Major Releases der IMC Learning Suite, vor der Herausforderung, Kundenorientierung, Unternehmertum und Innovation in Einklang zu bringen. Für uns Grund genug mit dem neuen Produktvorstand der IMC, Dr. Wolfram Jost, über die Erfolgsfaktoren einer Innovationskultur zu sprechen.


Bei der IMC steht im Mai das neue Major Release an.
Was bedeutet das für den Kunden?

Ich bin erst seit Kurzem Geschäftsführer der Scheer Holding und Vorstand der IMC und arbeite mich daher gerade selbst in das neue Release ein. Ich kenne die IMC aber seit ihrer Gründung, habe sie immer beobachtet und freue mich sehr auf die Aufgabe und darauf, Teil des Teams zu sein.

Grundsätzlich sind neue Releases für unsere Kunden immer von elementarer Bedeutung. Gerade heute, wo es eine große Anzahl technologischer Innovationen auf dem Markt gibt, ist es sehr wichtig, die Software immer auf dem neuesten Stand zu halten.


Wie definieren Sie den Begriff „Innovationskultur“?

Innovationskultur bedeutet, nie zu ruhen, sondern stets auf der Suche nach neuen Ideen zu sein. Konkret heißt das, stets ein offenes Ohr für neue Ideen von Kunden und den eigenen Mitarbeitern zu haben. Innovation ist kein Selbstzweck. Es geht darum, das Kundenerlebnis ständig zu verbessern. Customer Obsession ist hier der zentrale Begriff. Er besagt, dass Innovation beim Kunden beginnt und man vom Kunden aus rückwärts entwickelt. Kunden erwarten von einem Unternehmen, dass es im Stande ist, Mehrwert aufzuzeigen und zu erläutern. Daher sollte man immer einen Schritt zurücktreten und sich fragen: Stiftet mein neues Produkt, mein Produktupdate oder mein neuer Prozess schlussendlich den Personen, die es am Ende nutzen werden einen signifikanten Mehrwert? Die ständige Verbesserung der User Experience ist das A und O einer innovativen Softwareetwicklung.


Sie waren in der Vergangenheit Technologievorstand. Wie ist es Ihrer Erfahrung nach möglich, eine Innovationsdynamik im Unternehmen zu schaffen und aufrechtzuerhalten?

Ziel jedes Software Unternehmens ist es immer, möglichst innovativ zu sein. Aber das ist leichter gesagt als getan, denn Innovation bedeutet zwei Dinge: zum einen die kundenorientierte Entwicklung neuer Features, Funktionen und Architekturelemente für eine Verbesserung des Kundenerlebnisses. Zum anderen meint Innovation aber auch, diese Neuerungen zu verkaufen, das heißt in einen Markterfolg umzusetzen. Er reicht also nicht, etwas Neues zu erfinden, sondern man muss diese Neuerung auch an den Kunden bringen und dessen Bedürfnisse befriedigen.


Sollten einzelne Experten aus verschiedenen Unternehmensbereichen also selbst ein Stück weit unternehmerisch denken können?

Absolut. Unternehmerisch zu denken heißt, dass man nicht nur selbstverliebt die Dinge tut, die einem Spaß machen, sondern überlegt, was den Kunden und das eigene Unternehmen weiterbringt. Man tendiert in Software-Unternehmen dazu, Innovationen sozusagen im stillen Kämmerlein zu entwickeln und sich dann zu wundern, wieso das Produkt keine Abnehmer findet. Das ist nicht das, was ich unter Innovation verstehe.

Innovation beginnt und endet mit dem Kunden. Jede Innovation, die nicht beim Kunden “ankommt”, ist nicht wirklich innovativ. Gerade technologieverliebte Mitarbeiter müssen sich das immer wieder vor Augen führen. Als Software Unternehmen muss man seine Belegschaft immer wieder daran erinnern, dass letztlich das Kundenerlebnis zählt.


Das bringt uns zum Thema User Experience und Usability.
Wie wichtig sind diese beiden Ziele aus Ihrer Sicht?

Was der Kunde bei der Nutzung einer Software “erlebt”, ist heute das Maß aller Dinge. Damit fängt es an und damit hört es auf. Diese Customer Experience parallel zur Software weiterzuentwickeln, ist eine Kernaufgabe für IT-Innovatoren. 


Wie gelingt es Ihnen als Vorstand, eine gute Innovationskultur fördern?

Als Vorstand muss man zunächst Vorbild sein. Das bedeutet, man muss selbst kundenorientiert denken und ständig mit Kunden im Gespräch sein. Außerdem ist es wichtig die Mitarbeiter immer wieder daran zu erinnern, dass die Software, die wir entwickeln, für unsere Kunden zur Lösung derer Probleme eingesetzt wird. Das klingt banal, ist aber sehr schwierig. 


Worin besteht konkret die Herausforderung?

Nehmen wir an, Sie wollen ein Auto bauen. Dann ist Ihnen klar, wie ein Auto aussieht, sie haben schon mal daringesessen und fahren selbst Auto. Sie haben also eine eigene Customer Experience im Umgang mit dem Produkt was sie entwickeln sollen.

Das ist bei unserem LMS eben nicht immer der Fall, was im Übrigen auch auf die meisten anderen Software Unternehmen zutrifft. Der Entwickler, der die Software programmiert, wendet diese unter Umständen niemals selbst an. Deswegen benötigen unsere Entwickler ein hohes Maß an Abstraktionsvermögen, um sich in die Lage des Anwenders zu versetzen. Ich kenne Entwickler, die zehn Jahre lang eine Software entwickelt haben, die sie niemals selbst genutzt haben. Im Sinne des Experience Gedankens ist das sicher nicht der richtige Weg. Vom Kunden aus rückwärts zu denken ist deshalb oberstes Gebot. Auch und gerade für Entwickle.


Gibt es einen Trick, mit dem Entwickler sich diese Problematik
vor Augen halten können?

Das ist die hohe Kunst. Der Entwickler steht vor einer nicht ganz leichten Aufgabe. Er muss eine fachliche Problemstellung in abstrakten Software Code transformieren. Genau diese Übersetzung von einem fachlichen Problem in Code, ist die Kunst der Softwareentwicklung. Man muss teilweise sehr abstrakt denken und im Voraus planen, was der Kunde später brauchen könnte. Unsere Software kauft kein Kunde nur kurzfristig, sondern nutzt diese vielleicht zehn oder zwanzig Jahre.

In dieser Zeit bekommt er ständig neue Innovationen, wie jetzt das neuste Release. Das heißt: Die Software, die der Kunde heute kauft, sieht in fünf Jahren wieder ganz anders aus. Deshalb muss man architekturseitig sehr weit vorausdenken und sich vorstellen, welche Anforderungen zukünftig kommen könnten. Der nötige Spielraum für zukünftige Anpassungen muss bei der Planung heute mitberücksichtigt werden. Deshalb kommt Architekturfragen bei der heutigen Softwareentwicklung eine immer größere Bedeutung zu.

Um auf die Frage zurückzukommen, wie der Entwickler sich diese Problematik vor Augen halten kann, gibt es nur eine Lösung: Er muss immer wieder in Kontakt mit dem Kunden stehen und Feedback einholen. Denn nur ein zufriedener Kunde ist ein treuer Kunde.


Was bedeutet das für den Entwicklungsprozess?

Da niemand weiß, welche Anforderungen sich in der Zukunft ergeben werden, muss eine Software heute möglichst flexibel entwickelt werden. Deshalb ist es sehr wichtig, die Software so generisch wie möglich und so individuell wie nötig zu designen. Die individuellen Anpassungen für den Kunden, die immer erforderlich sind, sollten nicht hart programmiert, sondern über Meta-Daten konfiguriert werden. Skalierbarkeit ist hier das entscheidende Ziel. Für einen einzelnen Kunden wäre es zwar möglich, etwas passgenau zu entwickeln, aber bei 1000 Kunden funktioniert das nicht mehr. Das heißt man muss den Spagat schaffen, einerseits eine hohe Kundenorientierung zu bieten, gleichzeitig aber eine hohe Flexibilität zu gewährleisten, sodass die Software auch künftigen Anforderungen standhalten kann. Ganz überspitzt gesagt wäre das, als würden Sie heute ein Auto designen, dessen Basisarchitektur so flexibel konstruiert ist, dass man damit in fünf Jahren auch fliegen kann.


Es geht also darum, mögliche Probleme noch vor dem Kunden zu erahnen?

Teilweise ja, und auch das ist Innovation. Man muss Dinge voraussehen, die in der Zukunft vom Markt gefordert werden könnten. Das sind zwei verschiedene Arten der Innovation. Bei der ersten Variante wird ein bestehendes Produkt kontinuierlich verbessert. Dazu gehört, in bestehenden Märkten neue Use Cases zu entwickeln und Produkte, die es bereits gibt, in ihrer Customer Experience zu verbessern. Bei der zweiten und noch weitaus schwierigeren Innovationsvariante (disruptive Innovation) wird ein komplett neues Produkt entwickelt und häufig gleichzeitig ein komplett neuer Markt dafür geschaffen. Das ist dann die ganz hohe Kunst der Software Innovation. Gelungen ist dieses Kunststück beispielsweise Amazon, Google, SAP und Apple.  


Beispiele hierfür wären also Shared Mobility oder Streaming Dienste?

Genau, denn in beiden Fällen geht es um Fähigkeiten und Produkte, die eigentlich nicht neu sind, aber auf eine neue Art und Weise konsumiert bzw. genutzt werden. Im Kern geht es darum, dem Kunden eine andere Erfahrung, ein neues Erlebnis zu bieten. Online Shopping wäre ein weiteres Beispiel, denn Einkaufen an sich ist nicht neu oder innovativ. Aber das Erlebnis, von zuhause auf der Couch mit dem Laptop einzukaufen, ist ein anderes. Und genau darum geht es.


Welche Kernthemen und Techniken werden Ihrer Meinung
nach in der Zukunft wichtig sein?

Ich denke vor allem an Themen wie Microservices, API´s und Container, die von zentraler Bedeutung sind und die zukünftige Architektur aller Software Systeme prägen werden. Container sind, simpel ausgedrückt, dazu da, Software einfacher zu „transportieren“ und damit schneller und sicherer zum Kunden zu bringen.

Das kann man sich wie einen klassischen Schiffscontainer vorstellen. Dem Container ist es egal, was in ihm steckt. Es gibt festgelegte Standards, die dafür sorgen, dass die Container auf allen Lastwagen und Schiffen transportiert werden können, egal von welchem Hersteller. Mit Software ist es genauso, Software Container haben definierte Standards, auf Basis derer jeder die in den Container enthaltene Software transportieren, installieren und managen kann. Egal auf welcher Hardware. Früher lag genau hier ein großes Problem, da die Software, die man auf einem Rechner laufen hatte, nur sehr schwer auch auf einem anderen Rechner zum Laufen gebracht werden konnte. Mit Containern ist eine Software jedoch in unterschiedlichen Umgebungen lauffähig.

Weitere wichtige Themen sind Künstliche Intelligenz, Machine Learning, API Management, Cloud und Software-as-a-Service. Ein anderer zentraler Bereich wird Learning Analytics sein. Denn Lernen ist, zumindest für Firmen, kein Selbstzweck. Unternehmen investieren schließlich in die Ausbildung ihrer Mitarbeiter, damit der Mitarbeiter dieses Wissen zum Erfolg des Unternehmens einsetzt. Ich bin deshalb der Überzeugung, dass die Verbindung von Lerndaten (wer hat was gelernt) mit operativen Daten (wer hat was verkauft), noch mehr an Bedeutung gewinnen wird.


Kontakt

Kerstin Steffen
Head of Corporate Communications DACH

+49 1522 1809606    presse@im-c.de


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